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Witze, Humor & Satire

Von versauten Nächten, dem Problembären, einem weisen Chinesen und was vom Jack Sparow-Effekt

Von versauten Nächten, dem Problembären, einem weisen Chinesen und was vom Captain Jack Sparow-Effekt!

Nach einer durchzechten Nacht folgte einer von diesen geplagten, beschissenen Tagen. Du schaust durch ein dir fremd erscheinendes Zimmer. Vielleicht 17.00 Uhr würde ich sagen. Die Wände leuchten Flensburger Dunkel, wie auch immer. Wohlig mittlere Frühlingszeit, alles dreht sich berentzenbirnenextrabreit. Man kriegt selber kaum die Bettkante zu fassen, wenn randgefüllte Gläser sich abends leichter austrinken, als sie einen am Morgen auferstehen lassen.
Meine Freundin kam in letzter Zeit nur noch selten an mir vorbei, ich sah sie ein letztes Mal vor der Kneipe mit dem Mittelfinger winken. Orientierungslos gehen meine Augenlider ein zweites Mal entzwei und mein Vorderhirn beginnt den Erinnerungen an letzte Nacht hinterherzuhinken. Erfolglos tippe ich einen Suchbegriff in die Gedächtnissuchmaschine ein: „Letzter Abend“; null Treffer, so kann das Leben manchmal sein. Mit großer Verlässlichkeit hat mich nach dem Liebesärger wohl auch letzter Lebensmut verlassen, alleine liegt eine Flasche Captain Morgan auf dem zerwühlten Bett und ich kann den sich bietenden Anblick durch die geschwollenen Augenschlitze kaum erfassen.
Ich schmecke die mit Pelz bedeckte Zunge, in der Brust drückt noch Zigarettenqualm die eiserne Lunge, unterbrochen durch den knurrenden Magen, vorm Darm möchte ich lieber gar nichts sagen. Ein blaues geschwollenes Auge stiert vom Spiegel gegenüber in meine Richtung, ich grabe zwischen all den Kissen und dem erbrochenen Essen von gestern eine Lichtung. Mit „Oh Gott, unter der Decke vor uns ein Eisberg volle Kraft voraus!“, meldet mir das heile Auge schmerzend den ultimativen Sinnesgraus. Musste ich wirklich alle Hemmungen brechen, um mich soweit fallenzulassen?
Mit meinen Sinnen hat mich wohl auch mein Verstand vorübergehend verlassen. „Wie erklärt sich sonst das dort eingekugelte Etwas in der weißen Decke neben mir im warmen Bette?“ Das arme Kissen erdrückt von einem rot-rosigen Schweinegesicht, mit weniger Schönheit, als anhängendem Körpergewicht, schlicht und einfach war es `ne wirklich freundliche, vielleicht auch nette Fette, aber mehr Sau, als weibliche Frau. In jenem Moment denkt man(n) nur jede Wette: Ich wünschte, ich wäre gestern nicht, wie mein linkes Auge heute, so blau gewesen, und anstelle dieser Unbekannten hätte mich mein Schatz aus der Kneipe aufgelesen. Anstatt mich mit meiner Traumfrau wieder zu versöhnen, brachte ich lieber diese Miss Picky zum Quietschen und Stöhnen. „Mein Freundin wird mir das lange übel nehmen, apropos übel, hab ich irgendwo eine Toilette gesehen? - Ich brauch ein Eimer oder ‘n Kübel.“

Damit wir uns nicht falsch verstehen, den folgenden Part der Erzählung könnten einige Leser missverstehen. Mein Verhalten in diesem Fall war ethisch sicher zweifelhaft und doch tut nun mal ein jeder, was ihm selbst am wenigsten Missbehagen schafft. Zunächst begrenzt sich der entstandene Schaden aber nur auf dem im Flur verlegten Perserteppich, - neun mal neun Meter bis zur Tür und mein Ego sagt noch, dass schaff ich. Leider war die Entscheidung dann nicht ganz richtig, allerdings hielt ich die Flucht für unabdingbar und die Flecken für nicht so wichtig.

Halbangezogen verließ ich diese Wohnung und stellte fest, scheiße, kommt mir so bekannt vor, dass war mein eigenes Nest! Die Tür zu unserer gemeinsamen Wohnung war nun festverriegelt und mein Schicksal schien besiegelt, denn den einzigen Schlüssel hatte meine Freundin in ihrer Tasche. Anscheinend war ich in diesem Moment die größte „Seitensprungs-Vertuscherflasche“, die je auf diesem Planet gelebt hatte. Selbst der einst stolze Captain Morgan in mir fühlt sich am morgen danach, wie eine Ratte, wenn er gezwungen ist, sein sinkendes Schiff zu verlassen. Für diesen Fehler konnte ich mich gar nicht genug selber hassen. Im Treppenhaus stand ich hilflos und befleckt mit Kotze. (Im Bett lag die falsche F####.) Egal, wie lange ich hier über meine Lebenssituation motze, sobald meine Freundin mit dem Wohnungsschlüssel auftauchen würde, wird meine Liebe und Anwesenheit hier nie wieder mehr gebraucht. Kneipenleichenblass, zwar aus Frust, anstatt aus Spaß, zog ich erneut zum Wirt, fast wie immer, naja vielleicht trank ich nur dieses Mal ein wenig über’s Maß und noch ein bisschen schlimmer.

So vergingen Stunden, ich hatte mich längst abgefunden, nahm die Dinge, wie sie kamen und hoffte auf Erbarmen. Mein Körper war zerschunden, diese Erfahrung hinterließ eben viele Wunden und so schnell verirrt sich blauäugig mal des Körpers Samen, wenn man zu vernebelt in die Nacht durchstartet und trotzdem ganz unerwartet, hat sich meine Freundin dann nicht von mir getrennt, obwohl ihr gottverlassener Idiot von Freund, wie immer bei größeren Problemen, anstatt zur Reden lieber erstmal in die Kneipe rennt.
Die einzige universelle Lösung, die ich kannte; Wenn es in meinem Leben brannte, löschte ich mit Alkohol die Flammen, egal vorher die Probleme stammen, ob Job, Frau, Geld oder alles zusammen, man musste nur was Hochprozentiges die Kehle runterrammen!

Siehe da, die gute Frau erfuhr von meinem Fehltritt nie etwas, denn das ganze war gewiss, viel lustiger, als es wirklich für mich ist. Nach dem besagten ersten nächtlichen Besäufnis gab ich auf der Kirmes nämlich weiter Gas, wie der Wirt mir jetzt rekonstruierte, dabei waren seine Worte ohne falsche List, aber er lachte unaufhörlich, als wenn er sich jeden Moment vor mir bepisst.
Auch wenn ihr jetzt gleich ein Bargeheimnis wisst, so darf mein Herzblatt nichts davon erfahren. Denn trotz aller Gefahren ließ mich in jener Nacht ein Schießbudenbesitzer an seine Knarren und weil ich besoffen immer ins Schwarze treffen kann, schoss ich mir ein rosa Stoffkuscheltier, ein Meter breit und zwei Meter lang. Stolz präsentierte ich vor der Sperrstunde mein erlegtes Wild nochmal dem Wirte und da ein guter Hirte auch seine schwarzen Schäfchen liebt, ist er es auch immer, der einem fleißigen Jägersmann auch zu solch‘ späten Stunden einen oder zwei Jägermeister über den Tresen schiebt. Das hatte verhängnisvolle Konsequenzen für seinen vorletzten Kunden in dieser Nacht, insgesamt bestellte ich wohl acht Runden, doppelt oder nichts, hatte schnell den gewünschten Effekt gebracht. Mit anderen Worten ich war endgültig breit und mir zum Leid, saß das einzige frauenähnliche Wesen, meine Plüschtiersau auf einem Barhocker neben mir hinterm Tresen.
Was dann mit mir und dieser Trophäe geschah, dass will ich nicht weiter ausführen, allerdings war es wohl mehr als sonderbar. Nicht nur fummeln und berühren, die Sau wollte mich ganz tief in sich spüren.

Geschockt von dieser Wahrheit, brauchte ich ein wenig mehr Klarheit, sodass mir der Wirt eine Flasche Klaren zur Verdauung des Erlebten zur Seite stellte, noch eher die altmodische Kuckucksuhr an der Wand erneut zur Mitternacht schellte, war mein Vogel bereits wieder ausgeflogen. Ungelogen! Ich konnte wohl weder von Tieren noch von Frauen irgendetwas verstehen. Wie richtig ich lag, sollte ich bald sehen! Das passte wie die Faust auf’s Auge, aber da ich besoffen nun einmal zu nichts tauge, bin ich auch nicht klug genug, sodass ich häufig jeden Fehler zwei Mal begehe und schon stand ich wieder rotzevoll am Schießbudenstand und trieb erneut vergangenen Unfug.
Mein Ziel war gerichtet auf die mit Plüschbären bestückte Wand. „Ganz ruhig Brauner!“, sagte mir nochmal dieser Schießbudengauner. Erneut erschoss ich den Hauptgewinn nach zweihundert Versuchen mit präziser Hand. Mit dem größten Teddy auf der Kirmes zog ich zur meiner Freundin in dieser zweiten Nacht, wollte mich entschuldigen für mein Idiotendasein, ich hatte nun mal nicht nachgedacht. Auch wenn ihr jetzt über die ganze Geschichte lacht, am Ende erwischt es mich sehr kalt. Wir hatten uns zwar versöhnt, doch ich hatte den falschen Bären abgeknallt.

Als ich nach langer Abstinenz an einem Abend wieder allein aus der Kneipe nachhause gekommen war, sah ich den Bären meine Freundin heimlich beglücken. In unserem Bett lag er oben, sie auf dem Rücken. Eines war mir sicher klar, ich würde diesen Problembären erdrücken, ihn in Stücke zerteilen und seine Stopfwatte zerpflücken. Am Plan würde ich noch feilen, ich wollte mich daran nicht aufgeilen, aber irgendwas reckte sich bei mir lose in der Hose, vor Wut hatte ich sowas eigentlich auch noch nie. Dieser überraschende Ständer, welch‘ Ironie, war der Grund für eine jahrelange Sexualtherapie. Mit allen Kräften wehrte ich mich gegen den Drang der Kuscheltiersodomie!

Trotz eines im Garten verscharrten Bären, einer einsamen versteckten Sau in meinem Zimmer und die vielen Streitigkeiten lieben ich und meine Freundin uns noch immer. Manchmal kann ich mich nicht mehr gegen Triebe wehren und beginne erneut an meiner Sau zehren, doch ich hasse sie, wie alle anderen Kuscheltiere. Denn anstatt Freude und Liebe mit ihnen zu verschenken, will sich die Industrie doch nur an uns bereichern und unsere Fetische fernlenken. Von diesem Komplott erzählte mir, es war in der Karnevalszeit, ein in einem Pandabärenkostüm steckender weiser Chinese bei seinem letzten Bier, danach konnte man mir meiner Leber zum Leid weder Schnaps, noch Wein einschenken. Er erzählte vom Pornodreh in China, von Kuscheltieren gerieben an einer fleischfressenden Vagina, von Menschen in schrägen Teufelskostümen, musste ausgerechnet ein Pornofilmchen von grünen Marsmännchen besonders rühmen. Mit einem Schlag wurde mir klar, dass ich gar nicht so alleine mit meiner sexuellen Verrücktheit war.
Evolutionär bedingte Triebe sind nur schwer kombinierbar mit der „wahren Liebe“. Nur durch Kommunikation zwischen den Partnern können beide Befriedigung finden. Sind sexuelle Spannungen von beiden Partnern erfolgreich abgebaut, so beginnt auch die Kette der Streitigkeiten in einer Beziehung zu verschwinden, vorausgesetzt, dass man sich gegenseitig seine Wünsche anvertraut.

Meine Freundin trägt für mich jetzt ab und zu eine Cat-Women-Maske mit einem hautengen Latexanzug und Plüschpfoten, allerdings habe ich dafür ein Piratentuch und eine Augenklappe auf und mache in unsere Bettlaken Seemannsknoten. Nach einem Glas Captain Morgan entdecke ich dann gerne den Pirat in mir für meine Freundins Gelüste. Auch wenn ich gerne mal wüsste, warum Johnny Depp die Frauenwelt vor Erregung zum Zittern bringt, wenn er sturzbetrunken mit Mascara geschminkt durch die Karibik von Palme zur Palme hingt.Naja, solange es bei meiner Freundin funktioniert, fühle ich mich durch diese Rolle aber nicht blamiert oder denunziert. Alles was ich in dieser Fabel niederschrieb, ist vielleicht nicht ganz wahr, aber hier für euch die Moral:
Habt euch lieb!





( Und die Moral, für alle Leser, die in dieser Erzählung einen gewissen Wiedererkennungswert finden müssen: )
Es gibt keinen Morgen nach solchen Besäufnissen und gestern ist somit vergessen? Denkste, besser lieber gleich die Scheiße fressen, die man baut, bevor sich ein zu großer Haufen anstaut und man sie als lästige Erinnerungen erneut herunter spülen muss. Zu Hauf mit der Hefebrühe taufen, damit ist bei mir jetzt Schluss! Ich will keinen Ärger mehr, egal ob mit Frauen, Säuen, Bären oder Kühen, obwohl war ja eigentlich doch ganz schön, ich könnte mich schon dauerhaft daran gewöhn. Wäre meine Freundin nur eine größere Sau im Bett, wäre meine verdorbenes Ich wieder brav und nett!

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sollte mehr Kommentare dazu geben.....hat wohl nicht polarisiert

Eingestellt: 2011-12-11 21:17:09, Name: greengrinch

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